Gala
VERLEIHUNG DER GOLDENEN LISA

SAMSTAG 17.10.2015
20.00 UHR
SCHAUSPIELHAUS (KAMMER 1) der MÜNCHNER KAMMERSPIELE

Hier können Sie die Aufzeichnung der Preisverleihung ansehen

2015 verleihen wir zum ersten Mal im feierlichen Rahmen die GOLDENE LISA an innovative und bedeutende Schlepper- und Schleuser Initiativen in verschiedenen Kategorien. Namenspatronin des (noch) undotierten Preises ist Lisa Fittko (1909 – 2005) die gemeinsam mit ihrem Mann, Hans Fittko (1903-1960), hunderte von jüdischen Menschen zur Flucht aus dem besetzten Frankreich über die Pyrenäen nach Spanien verhalf und somit deren Leben rettete. Der von der renommierten Künstlerin Gabriele Obermaier gestaltete Preis erinnert an diese beschwerliche Fluchtroute über die Pyrenäen.

Moderiert wird der Festakt von den beiden Fernseh-Moderatoren Till Nassif (ARD Morgenmagazin) und Caro Matzko (arte, BR-Zündfunk). Musikalisch begleitet wird der Abend von der Schauspielerin und Jazzsängerin Jelena Kuljic und den Pianisten Konstantin Kostov.

Till Nassif, Jahrgang 1971, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Kommunikationswissenschaft, Politologie und Soziologie und absolvierte die Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule. Nassif schloss als Diplom-Journalist ab. Er ist als Moderator, Redakteur und Autor für WDR, BR und ARD tätig.

Caro Matzko ist eine deutsche Moderatorin und Journalistin, die Kommunikationswissenschaft, Politik und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studierte. Seit 2002 moderiert sie bei „Zündfunk“ auf Bayern 2 und reist seit 2009 zudem zusammen mit ihrem Kollegen Gunnar Mergner für arte im Wissensmobil von X:enius durch die Welt.

Die Preisträger 2015
Jury-Begründung Lisa-Fittko-Preis 20015 (Die Goldene Lisa)

1. Kategorie „Lebenswerk”:
Frau Maria Eitz

Die Jury war sich sofort einig, dass, die in San Francisco lebende Maria Eitz, die bereits seit den späten 1950 Jahren Kindern zur Flucht verhilft eine würdige Preisträgerin ist. Maria Eitz hat in vielen Krisen der Welt – vom Deutschland des Kalten Krieges, über Vietnam, Kambodscha, Thailand, Somalia, Eritrea, Äthiopien und Sudan – immer wieder und unermüdlich für Menschen eingesetzt und sie über Grenzen in Sicherheit zu bringen. Und ihnen Hoffnung zu machen, dass sie nach einer bestimmten Zeit ihr Leben wieder selbst bestimmen und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können. Dieses Lebenswerk macht Maria Eitz zu einem Vorbild in der staatliche Grenzen überschreitenden Fluchthilfe.

2. Kategorie „Fluchthilfe Innovation”:
Refugee Air

Die beiden schwedischen Unternehmer Susanne Najafi und Emad Zand setzen mit ihrem Reise-Unternehmen „Refugee-Air” an einem der wichtigsten Probleme der Fluchthilfe an: Die Kriminalisierung des grenzüberschreitenden undokumentierten PersonenreiseVerkehrs. Erst durch neue Gesetze seit der Jahrhundertwende haben die Mitgliedsstaaten der Europäische Union die Reiseunternehmen der Luftfahrt und der Seefahrt in die Rolle von unmenschlichen Grenzpolizisten gedrängt. Seitdem kann Europa nur noch illegal und über die sogenannte (südliche) Außengrenze erreicht werden. Diese Gesetzgebung ist das Geschäftsfundament und die Ursache aller krimineller schwarzen Schafe der Branche. Daran zu rütteln ist nicht hoch genug zu bewerten. Die simple Frage: Warum können Flüchtlinge nicht einfach nach Frankfurt (oder nach Skandinavien) fliegen (oder eine Fähre nehmen) zeigt die Inhumanität dieser Gesetze, die verzerrte „Lastenverteilung” in der EU. Refugee-Air hat hier eine innovative Lösung: Humanitäre Reisen müssen möglich sein! Die Initiative der beiden jungen schwedischen Unternehmer Susanne Najafi und Emad Zand kann den Himmel über Europa freier und menschlicher machen. Die überzeugte diese Kampagnenidee in besonderer Weise.

3. Kategorie „Fluchthilfe konkret“:
Kollektiv „Erszebeth Szabo“ für ihre Aktion “Konvoi Budapest-Wien /Schienenersatzverkehr für Flüchtlinge”

Als der Bahnverkehr zwischen Ungarn und Österreich zum erliegen kam (bzw. gestoppt wurde), die Menschen nicht mehr weiter konnten und die Behörden nicht mehr weiter wussten, da gab das nach einer ungarischen Widerstandskämpferin aus dem 2. Weltkrieg benannte Wiener Kollektiv das praktische Signal: Direkte Fluchthilfe. Über 200 Fahrerinnen und Fahrer machten sich spontan auf den Weg durch Schengenland und packten an, einen Schienenersatzverkehr zu organisieren. Eine praktische Hilfe und ein Durchkreuzen der gegenwärtigen ungarischen Politik am rechten Rand Europas. Die beste Fluchthilfe ist die, die man selber macht. Über 400 Flüchtlinge konnten die Alpenrepublik sicher erreichen. Die Überschreitung der ungarisch-österreichischen Grenze wurde so erneut zu einem Symbol für die Zusammengehörigkeit Europas und der Unteilbarkeit europäischer Werte. Freiheit hat mit Freizügigkeit zu tun.

Info zur Preis-Plastik:

– Einzelstücke einer 3-er-Kleinserie von der Münchner Bildhauerin Gabriele Obermaier
– Aluminium-Guss,
– mit Blattgold-Auflage 22 Karat,
– gewichtiges Kunstwerk, 2 kg.
– Gießerei ist die Straubinger Glocken und Kunst-Gießerei, der Familienbetrieb wurde 1550 gegründet und hat auch die Bronzene-Umrahmung der Kammerspiel-Bühne hergestellt.